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Innere Weberstraße 6 "Cafe Zinn"

Hauschronik

Im Sommer 1992 aufgeschrieben von Ingeborg Rehn, geb. Zinn, unter Verwendung von Gedächtnisprotokollen ihrer Mutter, Martha Zinn.

1945
Im Februar wurde im „Café Zinn“ ein Strohlager für Flüchtlinge aus dem Sudentenland und den Gebieten jenseits der Neiße eingerichtet, die in großer Zahl in Zittau eintrafen. In den folgenden Monaten konnten einige von ihnen Unterkunft und Beschäftigung im Hause Zinn finden, zumal Hermann Zinn von der sowjetischen Militärkommandantur verpflichtet worden war, für die Besatzungsmacht in seinen Wirtschaftsräumen Geflügel zu braten und Speiseeis herzustellen. Er wurde hierfür mit Naturalien entlohnt, die in bescheidenem Umfang auch für die Versorgung der Flüchtlinge und Umsiedler verwendet wurden.
Im Café, in welchem durch ein Seil das Publikum von sowjetischen Militärs getrennt war, wurde ein Vanillegetränk, Warmbier und Hauskaffee angeboten.

1948-1952
Aus politisch motivierten Gründen wurde Hermann Zinn im Herbst 1948 die Gewerbeerlaubnis entzogen. Er ging in den Ruhestand und verpachtete sein Geschäft an Herrn Edmund Hermann aus Zittau. Wegen Wirtschaftsvergehen wurde dieser ab 1952 inhaftiert, und die staatliche Handelsorganisation HO führte das Geschäft unter dem Namen „Café Freundschaft“ weiter. Inzwischen war Anfang 1950 der einzige Sohn von Hermann und Johanna Zinn, Herr Konditormeister Hans-Dietrich Zinn aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Eine Beschäftigung im ehemals elterlichen Betrieb wurde ihm aber nicht ermöglicht. Seine Ehefrau Martha Zinn wurde beauftragt, da Café zu leiten, was sie mit Herz und Verstand acht Jahre lang tat. In der Backstube und in anderen Räumen wurde – losgelöst vom Café – Speiseeis und Konditorwaren für Handelseinrichtungen der Stadt und des Kreises hergestellt. Später wurde diese Produktionsstätte dem VEB Feinback Zittau bzw. dem Backwarenkombinat Dresden, Außenstelle Görlitz als Betriebsteil Zittau unterstellt.

1960-1992
Am 23. Januar 1960 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit Hermann Zinn im Zittauer Krankenhaus. Seine Ehefrau Johanna folgte ihm am 28. April 1971. Den Verlust seines weit über die Zittauer Stadtgrenzen hinaus bekannten Geschäfts hatte Hermann Zinn begreiflicherweise nie verwinden können. Das Grundstück ging nun in den Besitz von Hans-Dietrich Zinn über. Die Wirtschaftspolitik der DDR erlaubte es ihm aber nicht, das dringend sanierungsbedürftige Haus zu unterhalten. Infolgedessen sah er sich gezwungen, kurz vor seinem Tode am 14. November 1978, das gesamte Grundstück der Stadt Zittau unentgeltlich zu übereignen. Zwar wurden jetzt einige Instandhaltungsarbeiten geleistet, aber auch der neue Eigentümer sah sich überfordert, eine Generalreparatur ausführen zu lassen. So wurde das Café im Winter 1989 geschlossen, und es hörte aus, zu existieren. Welch ein Ende!
Ein von der letzten Regierung der DDR verabschiedetes Gesetz erlaubte es der Erbengemeinschaft Hans-Dietrich Zinn, einen Rücküberführungsanspruch am ehemaligen Besitz Innere Weberstraße 6 und Lindenstraße 1a geltend zu machen. Nach langwierigen Verhandlungen, die von Herrn Sebastian Stampfl aus München im Auftrag der Erbengemeinschaft erfolgreich geführt wurde, konnten im Frühjahr 1992 Frau Martha Zinn; Frau Ingeborg Rehn, geb. Zinn und Frau Helga Umlauf, geb. Zinn als Eigentümer in das Zittauer Grundbuch eingetragen werden. Sie verkauften es unmittelbar danach an die S.N.K.F.-Beteiligungs GmbH München, die durch Herrn Sebastian Stampfl alleinvertretungsberechtigt geführt wird.

Quelle: Original-Auszug der Hauschronik.
Bild und Chronik wurden zur Verfügung gestellt von Familie Haußer-Knabe.

Zuckerschale und Kaffeekanne des Zittauer Goldschmieds Martin Ortscheid

Es sind zwei besondere Kostbarkeiten, die 2021 und 2022 aus dem Kunsthandel erworben werden konnten. Es ist zum Einen eine kleine und edel ornamentierte Schale ohne Deckel, die man zum Servieren des kostbaren Zuckers verwendet hatte – eines aus Übersee eingeführten Gutes, das in einem gehobenen bürgerlichen Haushalt nicht fehlen durfte. Es ist bekannt, dass Zucker z.B. in der Noackschen Handlung auf dem Marktplatz erhältlich war. Die Kaffeekanne gehörte ebenso zum gehobenen Kaufmannshaushalt: Kaffee wurde auch aus Übersee eingeführt und war um 1700 ein Modegetränk.

Beide Kostbarkeiten des Zittauer Goldschmieds Martin Ortscheid entstanden um 1720, also in Zittaus Blütezeit - auch in Bezug auf Kunsthandwerk. Martin Ortscheid wohnte und arbeitete seit 1723 ine inem Haus in der Spürgasse, heute Frauenstraße 4.

In den Sammlungen der Städtischen Museen gab es zuvor kein Werk des Meisters, sowieso sind Silberschmiedearbeiten dieser Zeit aufgrund des Stadtbrandes 1757 außerordentlich selten. Der Erwerb war möglich durch großzügige Spenden, besonders durch Ehepaar Birgit und Steffen Bollmann, Baldauf Schmuckdesign sowie einer durch Thomas Krusekopf vermittelten Spendensammlung. Auch eine Zuwendung des Freistaates Sachsen ermöglichte den Ankauf.
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